Angebot: Zwei Fotos der DIEHL-Konkurrenz-Waffe zum HK-Gewehr G 11
Gespeichert auf DVD im TIFF-Format mit hoher Auflösung von 600 DPI
(natürlich ohne Kopierschutz)
Zur Geschichte der DIEHL-Waffe für hülsenlose Munition:
Besprechungen im Verteidigungsministerium
Am 4. Januar 1968 findet bei Ministerialrat Bühler im Verteidigungsministerium in Bonn eine Besprechung mit den beiden beteiligten Firmen statt. Noch liegt keine technische Forderung von militärischer Seite vor. Die Bundeswehr erwartet die Vorschläge der zuständigen technischen Stellen im Verteidigungsministerium. Somit ist die Industrie gebeten, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dabei gibt das Verteidigungsministerium die Basisforderungen an: Die Sicherstellung der Funktion hat vorerst vor der Präzision zu stehen.
Der weitere Forderungskatalog:
Theoretische Studien des Batelle-Institutes mit der Infanterieschule Hammelburg haben für das Gewehr G 3 ergeben, dass bei kurzem Zielauftauchen ein normaler Schütze nur eine begrenzte Trefffähigkeit hat. Es soll angestrebt werden, dass bis 300 Meter Distanz nur eine Visierstellung notwendig ist.
Die neue Waffe muss vollständig geschlossen sein.
Die Abzugseinrichtung sollte gestatten, dass man Einzelfeuer, begrenzt kurze Feuerstöße und Dauerfeuer abgeben kann.
Nach Ansicht von Ministerialrat Bühler besteht zu diesem Zeitpunkt kein Interesse daran, die Leistung des Gewehrs G 3 durch Umrüstung auf ein anderes Kaliber zu steigern.
Im Etat des Verteidigungsministerium sind für 1968 keine finanziellen Mittel für Studienarbeiten über eine neue Schützenwaffe vorgesehen. Trotzdem bittet das Verteidigungsministerium die Industrie um ein Angebot, um über die finanzielle Belastung im Falle eines Auftrages an die Industrie unterrichtet zu sein.
Im Verlauf dieser denkwürdigen Unterredung erfahren die Vertreter von Heckler & Koch und Dynamit Nobel, dass auch die Konkurrenten IWK und Diehl an Studien zu einer zukünftigen Schützenwaffe arbeiten. Ministerialrat Bühler teilt den Firmenvertretern mit, dass Studienaufträge des Verteidigungsministeriums für Waffe und Munition nur an eine Firma vergeben werden können. Daher ist von der Industrie nur ein Angebot abzugeben. Daraus ergibt sich für Heckler & Koch und Dynamit Nobel die zwingende Notwendigkeit enger Kooperation.
Das Verteidigungsministerium setzt einen Termin bis zum Jahresende 1970. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen die beiden Firmen ihre Neuentwicklungskonzeption vorlegen. Sobald das Verteidigungsministerium dann aufgrund der Studie Entwicklungsforderungen festlegen kann, werden diese auch dem zuständigen NATO-Ausschuss bekanntgegeben.
Zielsetzungen für das neue Gewehr
Am 16. April 1968 formuliert das Verteidigungsministerium Studienaufträge "über Waffe und Munition der zweiten Generation" an Heckler & Koch und Dynamit Nobel. Möglicherweise haben auch Diehl und IWK zu diesem Zeitpunkt Studienaufträge erhalten.
Wache Konkurrenten!
Unterdessen schläft die Konkurrenz nicht. Diehl und Mauser entwickeln gleichfalls Gewehre für hülsenlose Munition. Heckler & Koch hat zwar einen grossen Vorsprung, muss aber auf der Hut sein.
Ingenieur Politzer bei der Firma Diehl hat im August 1970 die 3-Einzelschuss-Einrichtung realisiert. Bei einer späteren Serienfertigung wird Heckler & Koch die Firma Diehl nicht als Konkurrenten haben, da bekannt wird, dass sich Diehl nicht an der Serienfertigung einer Waffe für hülsenlose Munition beteiligen wird.
Dem Verteidigungsministerium kann die Konkurrenz der beiden anderen Studienfirmen nur recht sein, da hierdurch eine Summe gelöster Ideen entsteht, die in die Entwicklung der neuen Waffe einzubringen sind.
Heckler & Koch, Diehl und Mauser
Die Einbindung der Bundesrepublik in die europäischen Arbeiten zur Entwicklung einer neuen Schützenwaffe veranlasst das Verteidigungsministerium, die beteiligten deutschen Firmen zu einem Zusammengehen zu bewegen. Nur so erscheint der Hardthöhe möglich, die Ziele der Bundesrepublik terminlich zu verwirklichen. Außerdem hält das Verteidigungsministerium einen Zusammenschluss aus finanziellen Gründen für dringend erforderlich.
Das Management für den gesamten Studienkomplex soll dabei in die Hände der Firma Mauser gelegt werden, da nach Auffassung des Verteidigungsministeriums nur dieses Unternehmen aufgrund des MRCA-Projektes die für ein derartiges Management erfahrenen Mitarbeiter habe.
Dieses überraschende Umdenken der Hardthöhe kann nicht im Interesse von Heckler & Koch sein. Sehr deutlich legt Geschäftsführer Alex Seidel seine Vorstellungen auf den Tisch. Er erwähnt, dass die anfängliche Hauptforderung des Verteidigungsministeriums darin bestand "Verschießen hülsenloser Munition". Dann sei sofort als gleichrangig das "Halten im Feuerstoß" hinzu gekommen. Dies habe bei Heckler & Koch Versuche mit einem lafettierten System ausgelöst - Arbeiten, die gewissermaßen als Nebenstudie betrieben wurden. Als drittes sei der sehr verständliche Wunsch der Truppe nach einer handlichen Waffe hinzugekommen. Mit diesen nachgezogenen Forderungen sei nach den Worten von Alex Seidel der Rahmen einer Studie gesprengt worden.
Die Abwicklung des MRCA-Projektes ist nach Alex Seidels Ansicht nicht vergleichbar mit der Einführung einer Schützenwaffe der zweiten Generation. Wegen des Termindrucks erklärt Alex Seidel die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
Im weiteren Verlauf dieser Besprechung am 23. August 1973 im Verteidigungsministerium legen die anderen Firmen ihre Konzepte auf den Tisch. Das Verteidigungsministerium beurteilt die Firmenentwürfe:
Diehl-Konzeption
"Die in den zurückliegenden Jahren verfolgte Waffenkonzeption mit einem 2-Schieber-System, bei der Geschoss und Treibmittelkörper getrennt zugeführt wird, und die mit einem zwangsgesteuerten Wendelmagazin versehen ist, lässt sich für eine truppenbrauchbare Waffe nicht realisieren. Die daraufhin vorgenommene Änderung zu einem 1-Schieber-System mit einteiliger Patrone führt ebenfalls nicht zum Erfolg. Beide Ausführungen werden von der Firma Diehl praktisch selbst verworfen. Aus diesen Gründen wurde als neuartige Variante eine Waffe mit exzentrischem Drehschieber-Verschluss und Stangenmagazin konzipiert. Da diese Konzeption jedoch nur eine geringe Schussfolge zulässt, und durch die Magazinanordnung nicht zum Lafettieren geeignet ist, wurde als beste Konzeption eine Drehschieberverschluss-Waffe in Verbindung mit 3 Rohren vorgeschlagen.
Die bei allen Waffentypen verwendete Munition ist nur teilhülsenlos, da der Boden und das Zündhütchen aus Messing bestehen."
Mauser-Konzeption
"Die Firma stellte auf dem Papier gleichfalls mehrere Varianten vor, die praktisch alle auf einem Trommelprinzip aufgebaut waren. Eine dieser Versionen entspricht dem Prinzip der DEFA-Kanone und erlaubt eine Schussfolge von 2 500 Schuss pro Minute. Auch bei dieser Waffe ist praktisch identisch mit dem Konzept der Firma Diehl ein zwangsgesteuertes Wendelmagazin vorgesehen. Da dieses Prinzip eine zu niedrige Schussfolge aufweist und sich nicht lafettieren lässt, stellt es kein brauchbares Konzept dar.
Eine weitere Version war eine dreiläufige Waffe mit einem igelartigen Trommelmagazin, das von hinten in die Waffe eingeführt wird mit einem Durchmesser von ca. 120 mm maximal 50 Patronen fasst.
Bemerkenswert ist, dass bei der Firma Mauser versucht wurde, in die erstgenannte Waffe einen reinen Massenverschluss einzubauen, der nach deren Aussage 27 m/s Rücklaufgeschwindigkeit erreicht.
Als neues Kaliber bei allen Mauser-Konzeptionen ist 4 mm vorgesehen. Die Patronen stellen ebenso wie bei der Firma Diehl nur teilhülsenlose Munition dar. Wie weiterhin angegeben wurde, hat Mauser bis heute ca. 160 Schuss geschossen".
Nachdem die Teilnehmer dieser Besprechung ihre Systeme vorgestellt haben, diskutiert man diese. Die dreiläufigen Systeme werden verworfen, das Konzept der Firma Diehl verworfen. Das Trommelprinzip von Mauser könnte aussichtsreich sein.
Novum: Der Walzenverschluss
Vom Herbst 1973 ab verfolgen die Heckler & Koch-Ingenieure die Idee eines anderen Verschlusses der Waffe. Nicht mehr mit einem starr verriegelten Zylinderverschluss, sondern mit einem Walzenverschluss sollen die geforderten Leistungen des "neue Gewehrs" erreicht werden.
Wie kaum eine andere Bauform eignet sich der Walzenverschluss für eine schnellfeuernde Waffe mit kurzen Zuführwegen. Die geforderte Gasdichtigkeit lässt sich mit dieser Bauform erreichen. Heckler & Koch lässt sich den Walzenverschluss am 21. März 1974 patentrechtlich schützen.
Parallel zum Walzenverschluss entsteht zur selben Zeit bei Diehl eine Walzenverschluss. der zeitliche Zusammenhang ist tatsächlich ein Zufall, kein Entwicklungsteam hat Kenntnis von den Arbeiten des anderen Unternehmens.
|
Copyright (c) 2002-2026 eGun GmbH Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. • Ausgewiesene Warenzeichen und Markennamen gehören ihren jeweiligen Eigentümern. • Mit der Benutzung dieser Seite erkennen Sie unsere AGB und unsere Datenschutzerklärung an. |